Bürgerdialog Alte Mühle
„Das ist was für die Seele“ - Rundgang durch den Park der Alten Mühle
Apfelwein dampft in einem Kessel über dem Feuer. Gleißend helle Strahlen wirft die tief stehende Herbstsonne durch das bunt gefärbte Laub der Bäume. „Wer möchte einen Mühlengeist?“, ruft Stephan Matschke und die Anwesenden lassen sich nicht lange bitten.
Knapp 100 Frauen, Männer und Kinder füllen am 15. Oktober den Innenhof der Alten Mühle in Eschborn. Sie wollen an dem Rundgang durch das Anwesen und den Park teilnehmen, den die Stadt organisiert hat. Während sie auf den Beginn der Veranstaltung warten, wärmen sie sich an heißem Apfelwein und süßem Most und am „Mühlengeist“, den Erfinder Stephan Matschke aus Brombeeren, Heidelbeeren und Vogelbeeren hat destillieren lassen.
Angeregt unterhalten sich die Menschen. Erinnerungen werden wach. „Ich habe als Kind hier gespielt“, sagt Lieselotte Hannappel und lächelt. Drei Jahre waren sie alt als sie und ihre Cousine Heidi Lengenbauer auf den Stufen vor dem Fachwerkhaus, im Park und in den Gärten rund um den Hof behütet spielten. „Das war sehr schön, es war wie ein verwunschenes Paradies“, sagt die Eschbornerin.
Obwohl die ehemals gepflegte und bewirtschaftete Parkanlage rund um das Mühlengebäude heute stark verwildert ist, lässt sich der paradiesische Charakter noch erahnen. „Das ist was für die Seele und das gute Gefühl in den Menschen“, sagt Landschaftsarchitekt Ralf Habermann und schwärmt weiter: „Das macht den Wert dieser Gesamtanlage aus.“
Habermann leitet den Rundgang und erläutert die verschiedenen Naturräume, die das Mühlengebäude umgeben. Im Obstgarten zeugen Quitten und Äpfel vom ehemaligen Obstreichtum. Streuobstwiesen gehören zur Kulturlandschaft in Deutschland, erklärt der Landschaftsarchitekt. Die Menschen versorgen sich mit dem Obst, die Tiere werden mit dem unter den Bäumen gemähten Gras gefüttert. „Das Heu wurde auch als Einstreu im Stall verwendet, daher der Name Streuobstwiesen“, sagt Habermann.
Durch dichtes Gebüsch windet sich ein Pfad, eine Lichtung öffnet sich. Dort, wo der Westerbach sich in den Boden gegraben hat und einen kleinen Canyon bildet, zeigt Habermann auf hohe, alte Bäume. Schätze im Park, die mit Geld nicht zu bezahlen sind. „So einen Baum können Sie nicht kaufen“, sagt Habermann. Wolle er den Wert der uralten Weide beziffern, so würde er sagen: 300.000 Euro.
Ein anderer Naturraum, nicht bewirtschaftet, sondern der Natur zur Gestaltung überlassen. Untermieter haben sich an und in der Weide angesiedelt. Wespen haben ihre Nester in Vertiefungen am Stamm gebaut, Baumpilze schützen sie vor Regen. „Hier wäre zu überlegen, ob man das Gelände wieder der Natur überlässt“, sagt Habermann und einige der Teilnehmer nicken.
Fasst alle trauen sich, den wackligen Steg über den Bach zu überschreiten. Sie wollen sich den Blick über die hoch gelegene Wiese mit ihren botanischen Besonderheiten am anderen Ufer nicht entgehen lassen. Dicke Tautropfen benetzen das Gras, an sonnen beschienenen trockenen Stellen tummeln sich Grashüpfer und Käfer.





