100 Tage Ausnahmesituation - Bürgermeister Shaikh sieht sich aber nicht nur als Krisenmanager

Wie viele Tage denn noch folgen sollen, wurde Bürgermeister Adnan Shaikh bei der Pressekonferenz zu seiner 100-Tage-Bilanz gefragt. Gewohnt schlagfertig ließ er 18 Jahre ausrechnen - die Zeit bis zu seiner Rente. Denn dass er sich in seinem Amt pudelwohl fühlt, betonte er mehrfach.

Selbst die Tatsache, dass seit Mitte März alles im „Corona-Modus“ abläuft, kann seine Begeisterung nicht schwächen, auch wenn er sich die ersten Monate als Bürgermeister anders vorgestellt hat. Zumindest der Start – mit der Verteilung von 500 Kreppeln bei Antrittsbesuchen im Haus und den Außenstellen – verlief noch planmäßig und ist Shaikh in äußerst positiver Erinnerung: „Ich wurde von allen sehr freundlich empfangen und fühle mich richtig wohl in meinem Team, das vertrauensvoll zusammenarbeitet.“

 

Dass seine Aufforderung „Ich habe für Sie alle immer eine offene Tür und ein offenes Ohr“ bisher vielfältig genutzt wurde, zeigt dem Bürgermeister, dass es an einigen Stellen großen Redebedarf gibt. „Das Personal ist die bedeutendste Ressource auch einer Stadtverwaltung. Es ist elementar, dass die Mitarbeiter sich wertgeschätzt fühlen und in einem positiven Umfeld tätig werden. Nur so können sie auch zum Wohle der Bürger und unserer Stadt wirken.“

 

In häuslicher Quarantäne

Kurz nach Beginn seiner Amtszeit musste sich der neue Rathauschef gleich als Krisenmanager bewähren, denn die Auswirkungen der Corona-Pandemie machten auch vor Eschborn nicht halt. Für Shaikh direkt eine ganz besondere Ausnahmesituation, da er sich Mitte März nach Kontakt mit dem infizierten Kelkheimer Amtskollegen Albrecht Kündiger für sechs Tage in häusliche Quarantäne begeben musste. Zahlreiche Sitzungen und Besprechungen mit Kollegen aus dem Magistrat, Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung, dem Landrat und seinen elf Bürgermeisterkollegen aus dem Main-Taunus-Kreis wurden per Telefon- bzw. Videokonferenz organisiert. Ziel war, im vertrauensvollen Austausch einheitliche Regeln für den Landkreis zu beschließen, um einen Flickenteppich zu vermeiden. Insgesamt 24 Mal traf sich der Eschborner Verwaltungsstab, um die nötigen Sicherheitsvorkehrungen zu besprechen.

 

Als Hilfestellung für Senioren rief Shaikh das Projekt „Ich will helfen“ ins Leben und kreierte #AusLiebeZuEschborn. Großen Wert legt der Bürgermeister auch auf die Stärkung des lokalen Einzelhandels und der hiesigen Gastronomie. So hat die städtische Wirtschaftsförderung die IHG-Initiative www.bleib-in-eschborn.de aktiv unterstützt und bezuschusst. Wichtig ist ihm zudem, dass Eltern keine Leistung bezahlen, die sie nicht beansprucht haben, daher werden die Kita-Gebühren ab Mitte März nicht eingezogen. Eine Wiederöffnung der Kindertagesstätten sei für den Juni angedacht: „Auch dieser Herausforderung müssen wir uns jetzt stellen.“ Das Notfallzentrum soll Sommer in Betrieb genommen werden, das neue Jugendhaus wird Anfang nächsten Jahres fertiggestellt, und für das alte Jugendzentrum ist ein Nutzungskonzept vorgesehen.

 

1250+ -Jahr-Feier geplant

2021 ist eine „1250+“-Jahr-Feier geplant, „und die wird noch intensiver“, verspricht Shaikh, „denn dann können wir hoffentlich gleichzeitig feiern, dass die Corona-Krise überstanden wurde.“ Nachdem auch die Summertime-Konzerte abgesagt werden mussten, wird es während der Sommerferien immerhin kulturelle „Summertime light“-Veranstaltungen geben, „um einen neuen Alltag umzusetzen“: Theater, Musik, Lesungen und Kindertheater, allerdings werden jeweils nur maximal 100 Personen zugelassen sein. Sechs Vereine haben sich bereit erklärt, die Bewirtung zu übernehmen.

 

Auch das politische Geschäft nimmt nach Aussagen des Bürgermeisters wieder Fahrt auf, „und bestimmte Fragestellungen werden in den entsprechenden Gremien mit maximaler Transparenz diskutiert“. Er hofft, dass alle anderen Themen – Bauprojekte, Verkehr und Mobilität, Wirtschaft und Finanzen, Wohnen, Sicherheit und Ordnung, etc. - bald wieder mit voller Kraft angegangen werden können. Die aktuelle Krise hätte gezeigt, dass gerade der Ausbau der Digitalisierung unverzichtbar sei.

 

Shaikhs Resümee fällt jedenfalls positiv aus: „Wenn ich die ersten 100 Tage zusammenzähle, gab es nicht einen einzigen Tag, an dem ich mit einem schlechten Gefühl nach Hause gegangen bin, und das ist für mich das Wichtigste. Ich fühle mich wohl mit dem, was ich mache, und es bereitet mir Freude, dass ich mit guten Leuten zusammenarbeiten kann, die einfach Lust darauf haben.“ So könnte er sich gut vorstellen, bis zur Rente – also noch 18 Jahre lang – den Bürgermeisterposten zu bekleiden.

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