Drei Generationen Schmiede Häußer in Eschborn

Ein Rückblick

Wer heute im alten Ortskern von Eschborn den Namen „Häußer“ nennt, tut das meist im Zusammenhang mit der Weinstube „Alte Dorfschmiede“. Die Gaststätte im Anwesen der Unterortstraße 2, einem der ältesten Eschborner Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, befindet sich im Nebenhaus direkt im Raum der alten Schmiede. An den Wänden hängen noch die alten Schmiedewerkzeuge und Hufeisen. Die ehemalige Esse, in der der Schmied die Eisen glühte, dient heute als offener Kamin mit echtem Feuer. Die Wirtsstube vermittelt dem Gast das unmittelbare Gefühl, mitten in der Schmiede zu sitzen, eine einmalige Atmosphäre.

Es ist noch nicht so lange her, dass an dieser Stelle der letzte Huf- und Wagenschmied, Reinhard Häußer (1898-1973), seinem Handwerk nachging. Seit dem Jahre 1859 bis 1973 haben in dieser Schmiede „die Häußers“ ununterbrochen den Hammer geschwungen, Pferde beschlagen, Landmaschinen und Bauernwagen repariert.

Begonnen hat alles  mit dem Schmied Johann Jost Häußer, der 1839 in Hörbach, Kreis Herborn, Westerwald, geboren und in Eschborn seine Ehefrau Elisabeth Börner (1839 – 1919), die Tochter des Eschborner Dorfschmiedes Philipp Jakob Börner und der Philippine Katharine Christoph, gefunden hat. Wie genau er nach Eschborn kam, ist nicht bekannt. Es könnte sein, dass er bei seinem späteren Schwiegervater, als Geselle in der Werkstatt gearbeitet und sich dann in die Tochter des Hauses verliebt hat, die mit 25 Jahren, nach nur dreijähriger Ehe mit dem Schmied Gottfried Nickolay früh verwitwet war. Sie heirateten im Dezember 1868. Die Schmiede befand sich bereits damals in der Unterortstraße, dem heutigen Standort.

Aus der Ehe des Johann Häußer und der Elisabeth gingen drei Kinder hervor, zwei Söhne und eine Tochter. In guter Tradition lernte  der älteste Sohn, Johann Peter Richard (1869-1933), wie sein Vater, das Handwerk des Huf- und Wagenschmiedes und übernahm den väterlichen Betrieb.

Er heiratete 1893 die Fanny Bertha Oestreich, die Tochter eines Eschborner Schreinermeistes aus der Neugasse. Aus dieser Ehe gingen sechs Kinder hervor, drei Jungen und drei Mädchen. Der Sohn Johann Peter Reinhard (1898-1973) blieb der Schmiede-Tradition der Familie treu. Im Ersten Weltkrieg wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und diente bis zum Kriegsende im Fuß-Artillerie Regiment Nr. 3. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz und dem Frontkämpfer Abzeichen ausgezeichnet. 1927 verehelichte er sich  mit der Emma Schuler aus Neuses am Berg (Krs. Kitzingen) und übernahm, nach dem Tod seines Vaters, 1934 die Werkstatt, nachdem er vorher von 1911-1913 bei seinem Vater in der elterlichen Schmiede eine Lehre absolviert und bald darauf den Meisterbrief erworben hatte.

Als er 1973 nach mehr als 60-jähriger Tätigkeit als Schmied in Eschborn verstarb, würdigten ihn die örtlichen Zeitungen ausführlich als einen allseits bekannten und beliebten Mitbürger, dessen Schmiede jahraus, jahrein der Treffpunkt der Eschborner Landwirte war, denen er nicht nur ihre Pferde beschlug, ca. 150 waren es im Jahr, sondern der auch ihre landwirtschaftlichen Geräte reparierte und alle anfallenden Schmiedearbeiten ausführte.

Er war langjähriger aktiver Sänger bei Gesangverein „Vorwärts“ und seit 1934 ununterbrochen aktiv bei der Freiwilligen Feuerwehr Eschborn im Einsatz.

Bis wenige Tage vor seinem Tode arbeitete er noch täglich in seiner Schmiede. Eine große Trauergemeinde begleitete ihn zum Friedhof.

Mit Reinhard Häußers Ableben 1973, nach seiner eigenen, über 60-jährigen Arbeit, war das Ende der Schmiede angesagt. Sie wurde geschlossen. 114 Jahre hatte sie unter den Namen Häußer bestanden.

Erst 2002 eröffnete die neue Generation Häußer in den Räumen der Schmiede ein uriges Weinlokal, unter Einbeziehung der alten Schmiede.

Dieser Tage übergab der heutige Senior, Reiner Häußer, hiesigen Stadtarchiv wertvolle Geschäftsunterlage aus der Zeit der alten Schmiede, die Bürgermeister Mathias Geiger gerne entgegennahm. Er bedankte sich bei Rainer Häußer für diese wertvolle Bereicherung der städtischen Archivbestände. Es sind besonders die alten Geschäftsbücher, die der Schmied, fortlaufend von 1859 bis zum Ende der Schmiede in den 1970er Jahren, also über drei Generationen Häußer, akribisch, namentlich geordnet nach Auftraggebern, geführt hat. Alle Verrichtungen und Tätigkeiten mit genauem Datum und dem dafür zu entrichtenden Preis, wurden eingetragen.

Die großformatigen sog. „Einschreibebücher“, wie sie der Schmied selbst auf dem Einband betitelte, geben ein genaues Bild über alle Arbeiten, die in der Schmiede anfielen - und für wen sie erledigt wurden. Auf diese Weise können wir, fast lückenlos, über mehr als ein Jahrhundert das Wirken und die Arbeit der Eschborner Schmiede Häußer im Detail verfolgen. (Text von Gerhard Raiss)

Kultur als Aushängeschild

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