"Black Swan" von Kenny Hunter

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„Black Swan“ von Kenny Hunter war eine Auftragsarbeit für die Kunstbiennale Blickachsen 9 im Jahr 2013, die in Bad Homburg zum Publikumsliebling avancierte. Seit Anfang 2014 steht das Kunstwerk am Oberen Weiher nahe der Heinrich-von-Kleist-Schule.
Ruhig und kontemplativ schaut der schwarze Schwan über das Wasser. Der vier Meter hohe, aus Kunstharz gefertigte Schwan mit angelegten Flügeln und aufrechter Haltung lässt Spaziergänger fast klein erscheinen. Neben seiner Höhe erstaunen auch die Farbe und die Körperhaltung des mächtigen Vogels.
Kenny Hunter, geboren 1962 in Edinburgh in Schottland, lebt und arbeitet in Glasgow. Seine Figuren und Installationen erzeugen oft ironische oder widersprüchliche Welten. Gerne zitiert er Tiere aus traditionellen Fabeln, stellt sie aber in ungewohnte Zusammenhänge. Hunter gilt als eigenständiger und unverbrauchter Vertreter der zeitgenössischen britischen Kunst. Längst ist er über die Grenzen seines Landes hinaus bekannt. Sein künstlerisches Interesse umfasst gleichzeitig Tradition und Moderne. Mit seinen Werken sucht er Antworten auf kulturelle Veränderungen unseres modernen urbanen Umfelds und zeigt Beziehungen auf zu unseren sozialen Bindungen.

Mit „Black Swan“ weist er auf verschiedene miteinander verflochtene Bedeutungsebenen hin. Im englischen Sprachgebrauch gilt das Bild vom schwarzen Schwan bis Entdeckung Australiens und des dort beheimateten Trauerschwans im 17. Jahrhundert als eine gänzlich unmögliche Vorstellung.
Hunter spielt in diesem Zusammenhang auch auf die globale Finanzkrise an. Nassim Taleb, Finanzmathematiker und Wissenschaftler in den Bereichen Statistik und Zufall, erklärt in seinem Buch „Der schwarze Schwan“, dass die Wirklichkeit oft unberechenbar ist. Noch vor wenigen Jahren unvorstellbare Ereignisse sind für Taleb zum Beispiel der Siegeszug des Internets, die Terrorangriffe vom 11. September 2001, aber auch die durch Spekulationen ausgelöste Bankenpleite, deren gewaltige Folgen wir systematisch unterschätzen. Er sieht den „schwarzen Schwan“ als Widerspruch in sich und rät, den selbsternannten Experten nicht mehr blind zu vertrauen.
Mit diesem Hintergrundwissen verstehen wir, wie Hunter die uns bekannte Symbolik für Licht, Reinheit und Vollendung konträr anwendet und die optischen Merkmale des Schwans verfremdet.