"Flower and Seed" von Masayuki Koorida

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„Flower and Seed“ des japanischen Künstlers Masayuki Koorida war im Jahr 2009 während der Kunstbiennale Blickachsen 7 in Bad Homburg erstmalig in Europa zu sehen. Seit 2010 befinden sich die beiden Steinskulpturen in den Verkehrskreiseln an Rödelheimer Straße an den Einmündungen von Hunsrück- und Hauptstraße in Eschborn. Die schwarz-glänzenden Skulpturen lagern in einem runden, weißen Kiesbett, eingebettet in eine Rasenfläche. Übersetzt heißen die Objekte „Blume“ und „Samen“. In ihrer Form gehen sie von der Kugel aus und bilden mit ihren vollendeten Rundungen Pflanzenteile stilisierte nach. Sie wirken zart und doch stabil in sich ruhend, artifiziell und gleichzeitig lebendig. Ihre organisch geschwungene Formensprache steht in deutlichem Kontrast zu der von rechten Winkeln bestimmten Architektur ihrer Umgebung.

Masayuki Koorida, geboren 1960 in Kyoto, lebt und arbeitet heute in Shanghai. Durch seine ungewöhnlichen, abstrakten Skulpturen aus feinkristallinen Hartgesteinen wie Granit oder Marmor hat er einen internationalen Ruf erlangt. Die Härte des steinernen Materials verliert sich in der organischen Weichheit der Formen. Ihre Oberflächen sind so glatt poliert, dass sie im Freien den Himmel spiegeln oder ihre Umgebung reflektieren. Der Betrachter vergisst, dass jede der Skulpturen fast vier Tonnen wiegt. Sie erinnern an Moleküle oder Amöben, an kleinste Teilchen oder Lebewesen, die unendlich vergrößert wurden.

Ein konsequenter Formalismus prägt Kooridas Objekte: Die Linienführung verkörpert mathematische Klarheit und geometrische Präzision, die sich bewusst von biomorphen Abstraktionen abgrenzt. Innerhalb eines formalen Bezugsrahmens symbolisieren sie facettenreiche Formen des Lebens und der Sinnlichkeit. Die reduzierte gestalterische Umsetzung erzeugt ein vielschichtiges, schlichtes Erscheinungsbild, das nicht Leichtigkeit, sondern zeitlose Kunst anstrebt.

Mit ihrer abstrakten Form und ihrer Ebenmäßigkeit der polierten Oberfläche spielen „Flower and Seed“ mit unserer Wahrnehmung und eröffnen einen unendlichen Raum für die Phantasie des Betrachters. Ihre runden Formen fügen sich ein in die Verkehrskreisel, verwundern und überzeugen zugleich. Gemeinsam ertasten sie in der Annäherung des Betrachters die Dimensionen von Zeit und Raum.

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