"Das Versprechen" von Stephan Guber

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„Das Versprechen“ des Bildhauers Stephan Guber aus Nidda ist im Jahr 2010 in einer Schaffensphase von acht Wochen unmittelbar vor Ort im Skulpturenpark Niederhöchstadt entstanden. Aus massiven überlebensgroßen, noch mit Rinde bedeckten Eichenstämmen arbeitet Guber mit der Kettensäge menschliche Figuren heraus. Die Eschborner Bürger verfolgen und beobachten diesen faszinierenden Prozess.

„Das Versprechen“ ist eine Zusammenkunft von sieben Figuren, gruppiert um ein übergroßes Objekt, ein hölzernes Ei. Sie scheinen einen Gedankenaustausch zu führen, der auch uns als Betrachter mit einbezieht und zum Nachdenken anregt.

Stephan Gubers Werk prägen lebens- und überlebensgroße Holzfiguren. Er umkreist in seinem Schaffen die Anfänge des Menschseins, stellt Fragen zum menschlichen Bewusstsein und zur Beziehung von Menschen zueinander. Seine Figuren füllen den Raum mit kraftvoller Präsenz und Würde und muten in ihrer Haltung und Mimik ernsthaft und glaubwürdig an. Ihr Blick richtet sich in die Ferne, gleichzeitig scheinen sie Anteil nehmend in das Innere zu sehen. Besonderes Augenmerk legt Guber auf die Bearbeitung der Kopfpartie. Oft tragen seine Figuren verschiedene Arten von Hauben, Kopfschmuck oder verschlungene Turbane, die an Mythen oder fremde Kulturen erinnern. Diese Elemente und auch die Gesichtszüge geben der Figur ihren Charakter. Die Eschborner Figuren erhalten durch zahlreiche gekerbte Schnitte ein Gewand, das in vielschichtigem Faltenwurf die Körper verbirgt. Eine Viel-Schichtigkeit, die im übertragenen Sinne auch die Viel-Gestaltigkeit der menschlichen Natur und der möglichen Deutungen anspricht. In den Abendstunden wirken die Figuren wie Reisende aus einer mythischen Welt. Sie stehen mit zurück geneigten Oberkörpern in einem bestimmten Abstand und Verhältnis zueinander. Zwischen ihnen entsteht Raum: ein Kommunikationsfeld. Der Betrachter wird aufgefordert, diesen Raum zu erspüren und ihn als Teil der Aufstellung zu erfassen. Die Blickrichtung der Figuren lässt sich nicht genau bestimmen, auch scheinen sie auf etwas zu warten. Die Aufmerksamkeit des Betrachters richtet sich unwillkürlich auf das hölzerne Ei im Zentrum. Stephan Guber fordert mit seiner offenen Formensprache jeden auf, eigene Deutungen vorzunehmen.