"Die Schlucht" von Dana Meyer

Die Bildhauerin Dana Meyer hat ihrer Figurengruppe von fünf Antilopen den Titel „Die Schlucht“ gegeben.
In einer gemeinsamen Vorwärtsbewegung werden die Tiere durch ein Hindernis und der davon ausgehenden Gefahr gestört. Plötzlich in ihrem Lauf gestoppt erstarrt die Antilope, die das Rudel anführt, mit vorgestrecktem, gesenktem Kopf. Die folgenden vier Tiere, ebenfalls an der Fortsetzung ihres Wegs gehindert, reagieren unterschiedlich in ihren individuellen Haltungen. Von der Seite betrachtet, folgen die Tiere einander in einer lang gezogenen Reihe. Sie bilden eine dynamische und gleichzeitig harmonische Gruppe, die durch die Haltung ihrer Köpfe eine aufsteigende Linie beschreibt. Aus einem anderen Blickwinkel versammeln sich die Antilopen zu einer Gruppe aus dicht gedrängten Körpern und überschneidenden Linien, während sie als Fluchttiere im Moment der Gefahr ihre Köpfe unruhig-spähend und suchend nach Außen recken und wenden.
Dana Meyer formt ihre Arbeiten immer aus im Schrott gefundenen Stahlplatten. Diese werden zerschnitten und dann mit großer Kraft und Ausdauer im Schmiedefeuer mit schweren Hämmern freihändig geformt. Dabei lässt sich Dana Meyer bei dem Anschweißen der Stahlsegmente intuitiv vom Material leiten. So wird die Entscheidung über die Präsenz oder das Fehlen von Körperpartien erst beim Anschweißen der einzelnen Segmente getroffen. Den entstandenen Lücken, kommt in ihren Figuren ebenso viel Bedeutung zu wie den Partien aus Stahl. Im Kontrast zu den Durchblicken und dem Eindruck des Fragilen steht die massive Materialität und die Schwere des Stahls. Dana Meyer deutet das Arrangement der Stahlplatten zur Plastik als einen Schwebezustand zwischen Konstruktion und Dekonstruktion, Leibwerden und Vergehen.

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