„Entwurf für eine große Figur I und VI“ und „Polyanthe“ von Dietrich Klinge

Auf den ersten Blick wirken die Figuren von Dietrich Klinge wie grob bearbeitete Holzfiguren. Doch der Eindruck täuscht, denn ausnahmslos sind seine abstrakt-figurativen Arbeiten Bronzegüsse. Dietrich Klinge erarbeitet grundsätzlich die Einzelformen seiner Figuren zunächst mit der Kettensäge aus Holz und setzt sie anschließend aus unterschiedlichen Hölzern und Holzblöcken zu monumentalen und komplexen Figuren zusammen. Diese Holzfiguren dienen als Modell für den Bronzeguss, an dem der Künstler in allen Phasen mitwirkt. Sowohl die Oberflächenbeschaffenheit des Holzes als auch die Spuren der Bearbeitung bleiben später im Bronzeguss sichtbar. Das Arbeiten mit dem Holz ist für Klinge jedoch ausschließlich auf die Figur in Bronze ausgerichtet und niemals Selbstzweck. Die endgültige Form und damit seine künstlerische Aussage finden sich erst in der Bronzefigur.
Die Arbeiten von Dietrich Klinge sind expressiv und muten archaisch an. Seine drei Frauenfiguren wirken kühn und kraftvoll in ihren Formen, Bewegungen und Gesten. Die Sitzende mit dem Titel „Entwurf für eine große Figur I“ streckt ihre Beine weit von sich und wirft gleichzeitig die Arme mit einer weiten Öffnung zum Himmel. Lächelnd strahlt sie Freude und Zuversicht aus. „Polyanthe“ führt ihre Arme und Hände über Oberkörper und ihrem Kopf zu einem Bogen zusammen. Diese Haltung, die für Stärke und Energie steht, gleicht die Figur durch Ablegen und Anziehen ihrer Beine aus. „Entwurf für eine große Figur VI“ bildet auf schmalen Hand- und Fußenden mit ihrem Körper artistisch balancierend eine Brücke. Alle drei formen mit ihren Armen und Körpern Durchblicke, die die Umgebung in unterschiedlichen Ausschnitten mit einbeziehen. Direkt auf den Boden sitzend oder balancierend verbinden die Frauenfiguren sich mit dem Erdboden als ihre Kraftquelle. Alle drei monumentalen Figuren entwickeln aus der Verbindung von massiver körperlicher Präsenz und raumgreifender Bewegtheit eine eigene Dynamik.

 

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Dietrich Klinge wurde 1954 in Heiligenstadt, Landkreis Eichsfeld, in Thüringen geboren. Nach einer ausgedehnten Reise 1972 nach Indien, Nepal und Sikkim begann Klinge sein Studium in Stuttgart. 1973 bis 1980 absolvierte er ein Studium der freien Grafik an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei den Professoren Peter Grau, Gunter Böhmer und Rudolf Schoofs. 1979 fertigte er seine erste Steinskulptur und trat daraufhin in die Bildhauerklasse ein. In Stuttgart studierte er bis 1984 Bildhauerei bei den Professoren Herbert Baumann und Alfred Hrdlicka. Seit Abschluss seines Studiums ist Dietrich Klinge als freischaffender Künstler tätig. Bereits 1989 fand in Stuttgart seine erste Einzel-Werkausstellung statt. 1994 erhielt er den Felix Hollenberg Preis für Radierungen. Seine Kunstwerke finden sich in zahlreichen privaten und öffentlichen Kunstsammlungen, wie z.B. Staatsgalerie Stuttgart, Muzeum Belden an Zee, Scheveningen, NL Frederik Meijer Gardens and Sculpture Park, Grand Rapids, Michigan, USA. Seit 1999 lebt und arbeitet Dietrich Klinge in Weidelbach/Mittelfranken.