„Entwurf für eine große Figur I und VI“ und „Polyanthe“ von Dietrich Klinge

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Die zwei Werke mit dem Titel „Entwurf für eine große Figur“ und die Sitzende „Polyanthe“ des Künstlers Dietrich Klinge waren im Jahr 2011 Teil der Kunstbiennale Blickachsen 8 RheinMain. Die drei monumentalen Frauenfiguren wirken mit ihren ungewöhnlichen Gesten in verschiedenen Körperhaltungen schwerfällig und zugleich anmutig. Die Körper treten in einem spannungsvollen Dreieck miteinander in Beziehung. Gleichzeitig entwickelt jede Figur aus der Verbindung von massiver körperlicher Präsenz und raumgreifender Bewegtheit eine eigene Dynamik.
Dietrich Klinge, geboren 1954 in Heiligenstadt, lebt in Stuttgart. Er ist in Deutschland und in den USA mit zahlreichen Arbeiten im öffentlichen Raum vertreten. Klinge fertigt seine monumentalen expressiven Figuren zunächst mit der Kettensäge aus Holz und überträgt sie in einem technischen Verfahren in Bronze. Sowohl die Oberflächenbeschaffenheit des Holzes als auch die Spuren der Bearbeitung bleiben sichtbar. Eine spezifische Patina lässt die Bronze in seiner Farbe wieder dem Holz ähneln.
Klinge nähert sich der Körperlichkeit seiner Figuren in einem kontemplativen Prozess. Die Gesten wirken kühn und lassen Körperkraft, Energie sowie eine gewisse Zeitlosigkeit spüren. Die sitzende Frauenfigur mit dem Titel „Entwurf für eine große Figur I“ wirft mit einer leichten Drehung des Oberkörpers ihre Arme zum Himmel und strahlt damit Freude und Zuversicht aus. Die ebenfalls sitzende „Polyanthe“ führt ihre Hände in einem Bogen über dem Kopf zusammen, eine Haltung, die Stärke und Energie verdeutlicht. Die dritte Frauengestalt, „Entwurf für eine große Figur VI“, bildet mit ihrem Körper eine Brücke.
Alle Figuren lassen Sichtfenster entstehen, die darin die Umgebung in unterschiedlichen Ausschnitten zeigen. Die Gesichter der vergleichsweise kleinen Köpfe wirken wie Masken archaischer Gottheiten.
Diese bedeutungsoffene Darstellung der menschlichen Figur entstand in der Kunstgeschichte erst in der Moderne Anfang des 19. Jahrhundert. Die Expressionisten brachten Gefühle in einfacher Weise zum Ausdruck, um den Betrachter emotional anzusprechen oder ihn innerlich zu erschüttern. Physische und psychische Energie strahlen auch diese drei Figuren von Dietrich Klinge aus. Sie zeigen Gegensätze auf, die uns Menschen beschäftigen.

 

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