"Stein für das Licht" von Livia Kubach und Michael Kropp

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Der „Stein für das Licht“ des Künstlerehepaares Livia Kubach und Michael Kropp ist seit 2012 Teil des Skulpturenparks Niederhöchstadt. Die Eschborner Bürger wählten das Kunstwerk, das während des Sommers in der Ausstellung „Skulptur und Natur“ zu sehen war, zu ihrem Favoriten.
Der Betrachter ist eingeladen, den „Stein für das Licht“ aus verschiedenen Standpunkten und Perspektiven zu betrachten. Die Sonne durchstrahlt die zarte Wand, die transparent und zerbrechlich erscheint. Die Skulptur gehört zu einer Werkgruppe, bei der die Kubach und Kropp das homogene Gefüge von Naturstein durch Bohrungen öffnen und den nahe liegenden Umraum in das Werk einbeziehen.
Livia Kubach, geboren 1966 in Bad Münster am Stein, und Michael Kropp, geboren 1960 in Köln, haben eine Vorliebe für tiefschwarze Hartgesteine aus Schweden, Afrika, Indien und China. In ihren Werken verbinden sie zwei auf den ersten Blick unvereinbare Aspekte miteinander und wählen das Gegensätzliche zum gestalterischen Prinzip: Hartgestein assoziiert mit Leichtigkeit, tiefschwarzes Material vereint sich mit Licht.
Granite wie Gabbro, Basalt oder Gneis sind stark verwitterungsbeständig und werden seit früher Zeit als Denkmalsteine geschätzt. Sie setzen dem Bildhauer einen hohen Widerstand entgegen und sind nur unter großer Mühe zu bearbeiten. Spuren der Erosion entstehen erst nach langer Zeit, wenn weichere mineralische Bestandteile ausgewaschen werden. Diese natürliche Auflösung wird in der Skulptur sichtbar: Unzählige, mittels diamantbesetzten Hohlkernbohrern gefertigte Löcher reihen sich so eng wie möglich nach streng kalkuliertem Konzept aneinander und schaffen eine gitterförmige Struktur. Die Sonnenstrahlen breiten sich in den Bohrlöchern aus und bringen Bewegung in den statischen Körper. Im Gegensatz hierzu reflektiert das tiefschwarze Ausgangsmaterial kaum, sondern verschluckt das Licht geradezu.
Der hier aufgestellte Stein aus schwedischem Granit wiegt drei Tonnen, das ist allerdings die Hälfte seines ursprünglichen Gewichts. Er gibt den Blick frei auf den Himmel und die ihn umgebende Parklandschaft. Durch seine Rückkehr in die Natur entfaltet er an einem neuen Ort eine ungewohnte Kraft.