Stolpersteine in Eschborn

Der Künstler Gunter Demning erinnert in ganz Deutschland und den meisten europäischen Ländern mit seinem Stolpersteinprojekt an das Schicksal jener Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus systematisch verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Am 16. Mai 2018 wurden in Eschborn und Niederhöchstadt vier Stolpersteine verlegt.

Hermann Kaufmann lebte mit seiner Ehefrau Katharina Kaufmann in der Pfingstbrunnenstraße 12. Sie hatten zwei Töchter und einen Sohn. Er arbeitete in Höchst bei den Farbwerken. Ursprünglich kam Hermann Kaufmann aus Friedberg. Seine Eltern waren Juden, er selbst war christlich getauft. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung wurde Hermann Kaufmann im Dezember 1943 im KZ Auschwitz im Alter von 61 Jahren ermordet.

Heinrich Schulz lebte mit seinem Vater Karl, dem Postbetriebswart, und seiner Mutter Margarethe in der Unterortstraße 20. Aufgrund seiner geistigen Behinderung war er nach der NS-Ideologie kein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft und wurde als „lebensunwertes Leben“, das nicht am Arbeitsleben teilnahm, eingestuft. Er wurde erst in die Dr. Wolff’sche Heilanstalt Katzenelnbogen im Taunus eingewiesen und dann in die Heilanstalt Hadamar gebracht. Hadamar war eine Tötungsanstalt, in der 14.500 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen vorsätzlich getötet wurden. Dort wurde auch Heinrich Schulz im Januar 1943 ermordet. Sein Grab ist nicht bekannt.

Karlheinz Epp lebte mit seiner Familie in der Oberortstr. 5 und besuchte die Volksschule. Nach der NS-Ideologie wurde er als „erbkrank“ eingestuft in die Heilanstalt Hadamar gebracht, wo er am 21. Mai 1943 aufgrund dieser Einstufung getötet wurde. Seine Eltern konnten ihren Sohn nach seinem Tod nach Eschborn zurückholen und auf dem Eschborner Friedhof beerdigen.

Die Patenschaft zur Pflege des Stolpersteins hat die Heinrich-von-Kleist-Schule übernommen.

Konrad Broßwitz kam während des Krieges zusammen mit seiner Ehefrau als Evakuierter nach Niederhöchstadt. Er arbeitete als Nachtwächter in Frankfurt. Aufgrund seiner Tätigkeit als aktiver Gewerkschaftler und seiner früheren Mitgliedschaft in der SPD wurde er im September 1944 gemeinsam mit zahlreichen weiteren ehemaligen Sozialdemokraten verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Dort starb er am 11. März 1945, wenige Tage vor der Befreiung des Lagers, durch die Amerikaner.

Lerngruppen mit Schüler/Innen der Heinrich-von-Kleist-Schule suchen regelmäßig die Stolpersteine auf, um der Opfer zu Gedenken.

 

Weitere Infos zum Stolpersteinprojekt: http://www.stolpersteine.eu/


"Man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen"
Gunter Demning

 

Den ersten Stolperstein verlegte der Kölner Künstler Gunter Demning im Jahr 1995. Seitdem wurden in 1265 Kommunen Deutschlands und in mehr als 20 europäischen Ländern Stolpersteine an den letzten frei gewählten Wohnhäusern der Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Das Kunstwerk gilt als das größte dezentrale Mahnmal der Welt.

 

Das Stolpersteinprojekt überträgt die körperliche Bewegung des Stolperns auf eine geistige, die mit dem Innehalten und Hinunterbeugen beginnt. Denn nur, wer das tut, wird die Inschrift auf den Steinen lesen können. Auf der knapp 10x10 cm großen Messingplatte steht ein kurzer, eingravierter Text. Er beginnt in der Regel mit "Hier wohnte…", gefolgt vom Namen des Opfers, dem Geburts- und Deportationsjahr, sowie dem Todesort soweit bekannt.

 

"Auf dem Stolperstein bekommt das Opfer seinen Namen wieder, jedes Opfer erhält einen eigenen Stein - seine Identität und sein Schicksal sind, soweit bekannt, ablesbar. Wer den Namen des Opfers lesen will, muss sich herunterbeugen. In diesem Moment verbeugt er sich vor ihm", teilt Demnig mit.