Kunstinteressierten aus der Region ist der Name des 1890 geborenen Landschaftsmalers Hanny Franke, der nach etlichen Jahren in Frankfurt bis zu seinem Tod im Jahr 1973 in Eschborn lebte, vertraut. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass der passionierte Sammler Franke auch eine kleine, aber beeindruckende Reihe von Fragmenten und Einzelseiten aus mittelalterlichen Handschriften zusammenstellte, die mit seinem Nachlass ins Museum Eschborn übergeben wurden. Die Sammlung umfasst illuminierte Seiten aus spätmittelalterlichen Gebetbüchern, aber auch zahlreiche Bruchstücke gelehrter Texte und bebilderter Gesangbücher. Das älteste Stück dürfte auf das 9. Jahrhundert zurückgehen, doch auch Fragmente früher Drucke aus dem 15. Jahrhundert gehören dazu.
Auf Anregung von Dr. Peter Lingens, dem Leiter des Museums und Archivs der Stadt Eschborn, soll dieser „Schatz aus Tinte und Gold“ nun gehoben und einem breiteren Publikum durch eine Ausstellung zugänglich gemacht werden. Die Vorbereitung der für November 2025 geplanten Ausstellung erfolgte in einer außergewöhnlichen Zusammenarbeit von Museum, wissenschaftlicher Forschung und universitärer Lehre: Unter Leitung der Kunsthistorikerin Prof. Dr. Kristin Böse und der Mittelalterhistorikerin Prof. Dr. Sita Steckel durften fortgeschrittene Studierende der Goethe Universität Frankfurt ihre Kenntnisse beweisen und die kostbaren Bruchstücke aus der Vergangenheit historisch und kunsthistorisch einordnen. Bei kniffligen Fragen wurden sie zusätzlich vom Kunsthistoriker und Handschriftenexperten Dr. Christoph Winterer von der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek Mainz unterstützt. Im Juli präsentierte das Team aus Studierenden und Forschenden in Eschborn erste Ergebnisse.
Den Studierenden, die sich als Kuratorinnen und Kuratoren ausprobieren durften, ermöglichte der direkte Umgang mit den Originalen eine willkommene Abwechslung vom Studienalltag. Auch Einblicke in die Berufsfelder Wissenschaft, Archiv und Museum wurden durch Besuche in Eschborn, im Museum für angewandte Kunst in Frankfurt und an der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek in Mainz erreicht. Im Verlauf eines intensiven Semesters gelang es den Studierenden so, zahlreiche Handschriftenfragmente zu datieren, einzuordnen und genauer zu beschreiben. Der moderne Umgang mit mittelalterlichem Kulturgut und die Besonderheiten der stark auf Bildlichkeit und Musik fokussierten Sammlung Hanny Frankes wurden ebenfalls erforscht.
Nun werden die kunstvoll gestalteten Buchseiten auch digital aufbereitet, um einem breiteren Publikum Einblicke in die Welt der mittelalterlichen Buchkultur zu ermöglichen: Die Daten der Eschborner Sammlung werden in eine internationale Forschungsdatenbank überführt, die Informationen zu Fragmenten mittelalterlicher Handschriften weltweit zusammenträgt. Vor allem aber bereitet die Frankfurter Gruppe Materialien für eine digitale Präsentation der Fragmente vor. Sie soll als ‚virtuelle Ausstellung‘ die Präsentation der Originale im Museum Eschborn begleiten. Die Ausstellungseröffnung ist für den 6. November 2025 geplant.

