Bürgerversammlung informiert zum Thema Klimaresilienz und Regenwasserbewirtschaftung

„Wenn wir über Hitze sprechen, sind wir sehr schnell auch beim Thema Wasser. Zu wenig Wasser. Viel Wasser in kurzer Zeit. Und die Frage, wie wir mit beidem gut umgehen.“

Mit diesen Worten begrüßte Erste Stadträtin und Klimaschutzdezernentin Bärbel Grade die Anwesenden bei der Bürgerversammlung am vergangenen Donnerstag, dem 1. Oktober 2026. Die Versammlung, zu der Stadtverordnetenvorsteher Markus Depping eingeladen hatte, stand in diesem Jahr unter dem Motto „Eschborn im Klimawandel – wie wir unser Grün für die Zukunft stärken“. 
 

Revierförsterin Carolin Scheller hielt einen Vortrag über den Eschborner Stadtwald, seinen Zustand nach dem Sommer und seine Entwicklung mit Blick auf zukünftige klimatische Veränderungen. Sie berichtete, dass längere Trockenperioden sich inzwischen durch Trockenstress der Bäume und Problemen mit Insektenbefall bemerkbar machen. Um diesen Folgen des Klimawandels zu begegnen, seien konkrete Maßnahmen nötig: So hat HessenForst hat im Frühjahr zwei Wasserrückhaltemulden eingerichtet, in denen sich Wasser sammeln kann. In Trockenzeiten geben sie das Wasser nach und nach wieder an die Umgebung ab. Eine zweite Maßnahme ist die Pflegedurchforstung, bei der einzelne Bäume gezielt gefällt werden, um das Wachstum anderer Baumarten zu fördern. Ebenfalls bedacht wird die Auswahl der Arten bei Neupflanzungen: Laut Scheller sind drei bis fünf unterschiedliche Baumarten eine gute Quote. Werden beispielsweise Lärche und Tanne gepflanzt, gesellten sich andere Pionier-Baumarten meist automatisch dazu. Auch berichtete sie, dass die Trockenheit des Sommers weiterhin den Forstbetrieb beeinflusst. So seien die sonst üblichen Herbstpflanzungen dieses Jahr abgesagt worden, da die Böden weiterhin zu trocken sind für das Anwachsen junger Bäume. 
 

Jochen Fass und Tom Fischer, bei der Stadtverwaltung Eschborn für Grünflächen und Freiraumgestaltung zuständig, sprachen darüber, wie Stadtgrün widerstandsfähiger gegen Hitze und Trockenheit gemacht werden kann. Die vergangenen Sommer mit hohen Temperaturen, aber wenig Niederschlag zeigten, dass die Folgen des Klimawandels den Eschborner Stadtbäumen und Grünflächen zu schaffen machen. Gerade Jungbäume sind weniger resistent und müssen daher besonders geschützt werden. Gleichzeitig kühlen Pflanzen den urbanen Raum deutlich, indem sie Schatten spenden und Wasser über die Blätter verdunstet. Aus diesem Grund muss Stadtgrün gepflegt, geschützt und erhalten werden. Flächen werden – auch teilweise – entsiegelt, dafür werden Versickerungsflächen geschaffen. Als Beispiel dient dafür der neugestaltete Platz an der Linde, auf dem wasserdurchlässiger Pflasterstein verbaut wurde und Sickerflächen und Zisternen Regenwasser zukünftig länger speichern. Auf den ersten Blick wirkt dieser weiterhin versiegelt – dies ließ sich auf Grund der regelmäßigen Nutzung als Fest- und Veranstaltungsort nicht vollständig vermeiden. Jedoch wurde für die Neugestaltung innovativer Pflasterstein genutzt, der Regenwasserversickerung ermöglicht, und eine unterirdische Zisterne verbaut. 
 

Die Verwaltung setzt bei der Grünflächengestaltung zudem bewusst auf klimaangepasste Gestaltung, eine entsprechende Pflanzenauswahl mit trockenheits- und hitzeverträglichen Baumarten und überarbeitet Bewässerungskonzepte. Sie orientiert sich dabei unter anderem am Prinzip der 3-30-300-Regel. Nach dieser sind im Idealfall von jedem Wohnort aus drei Bäume zu sehen, die Stadt ist zu 30 Prozent mit Bäumen bedeckt sein und es gibt von jedem Standort aus in 300 Metern Entfernung einen weiteren „Grünraum“. 
 

Den Westerbach behält die Stadt ebenfalls im Blick, Regenwasser soll auch hier vor Ort gehalten werden. Dies soll durch Maßnahmen wie die gezielte Auswahl von Ufergehölzen, extensive Grünflächen entlang des Bachs und dem Einplanen von Extremwetterereignissen gefördert werden.

Bei heißeren und trockeneren Sommern muss Wasser bei der Planung von Stadtgrün, dem Westerbach und neuen Pflanzungen in Eschborn stärker als begrenzte Ressource behandelt werden. Es ist entscheidend, nicht mehr zu bewässern als vorher, sondern Wasser vor Ort zu halten und effizient zu nutzen.
 

Die Bürgerinnen und Bürger erhielten jedoch auch praktische Tipps an die Hand, wie sie selbst den eigenen Garten fit für Hitze und Trockenheit machen und Regenwasser zurückhalten und sinnvoll nutzen können. Stein und Asphalt durch einen Untergrund zu ersetzen, auf dem Regenwasser besser versickern kann, oder Fassaden und Dächer zu begrünen, sind hier gute Maßnahmen. Denn: nicht große Maßnahmen allein, sondern auch viele kleine Flächen zusammen machen einen bedeutenden Unterschied. Die Stadt verweist hier auch auf die Förderprogramme für Maßnahmen zur Regenwasserbewirtschaftung sowie Starkregenvorsorge und Hochwasserschutz. Weitere Informationen werden auf der städtischen Homepage unter www.eschborn.de/starkregen zur Verfügung gestellt.