„Die Kinder bestimmen das Gesicht einer Schule“ 50 Jahre Süd-West-Schule

Ein großes Jubiläum steht in diesem Jahr für die Süd-West-Schule an, denn sie kann das 50-jährige Bestehen feiern. Bürgermeister Adnan Shaikh, selbst zehn Jahre lang als Schulleiter tätig, freut sich besonders über die beeindruckende Entwicklung der Schule, die schon damals „modernste pädagogische Gesichtspunkte“ berücksichtigte: „Gerade auch in den vergangenen 20 Jahren hat die Schule ein in sich sehr stringentes und erfolgreiches pädagogisches Konzept entwickelt und umgesetzt.“

Offiziell eingeweiht wurde sie am 29. September 1971, aber ein wichtiger Meilenstein wurde bereits am 21. Januar desselben Jahres gesetzt – mit der Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts, nach gerade mal zehnmonatiger Planungs- und Bauzeit. Im Mai 1971 konnte dann auch der zweite Bauabschnitt, inklusive Sporthalle, übergeben werden, insgesamt wurden 5,2 Millionen DM investiert.

Am 25. Januar 1971 hatten dann 343 Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 4, die bisher in der Hartmutschule auf beengtem Raum unterrichtet werden mussten, ihren ersten Schultag in der neuen Süd-West-Schule. Waren damals noch über 40 Kinder in einer Klasse, sind es heute nur rund die Hälfte. Marion Steinhäuser (59), seit 22 Jahren Schulsekretärin, kann sich gut erinnern, gehörte sie doch zu den ersten Viertklässlern, durfte also noch ein halbes Jahr die neue Schule genießen. Gerade die „Steinaula“ mit kleiner Bühne hatte und hat es ihr besonders angetan.

Schulleiter Hajo Rother (62), auch vor rund zwei Jahrzehnten zur Süd-West-Schule gewechselt, ist stolz auf das Erreichte: „Stillstand ist Rückschritt, daher muss man sich immer weiterentwickeln. Schon damals stand Integration – heute Inklusion – im Fokus, und mittlerweile sind wir eine ‚Schule mit besonderer Ausstattung‘ für Kinder mit geistiger Behinderung. Sowieso bringen viele der rund 300 Kinder jeweils ein ganz bestimmtes Thema mit, ob religiös, kulturell oder ethisch, und das empfinde ich als Bereicherung.“ Über 40 Nationen sind vertreten, drei Viertel der Kinder haben einen Migrationshintergrund, und über dieses gelungene Zusammenspiel ist Rother sehr glücklich, denn „die Kinder bestimmen das Gesicht einer Schule“. Eine Atmosphäre, die Bürgermeister Shaikh besonders schätzt: „Hier wird das Kind mit all seinen Stärken in den Mittelpunkt gestellt. Der Unterricht verläuft äußerst freundschaftlich und sehr wertschätzend jedem Einzelnen gegenüber.“

Zum Konzept gehört nämlich, dass es keine Noten gibt, sondern Beurteilungen geschrieben werden, und statt Hausaufgaben bekommen die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit einer zusätzlichen Stunde „Lernzeit“, in der sie von – insgesamt rund 30 – Lehrerinnen und Lehrern und weiteren Mitarbeitenden betreut werden. Neben einer Schulsozialarbeiterin gibt es sogar einen Therapiebegleithund. Und ein weiteres Thema steht ganz oben auf der Agenda, wie Shaikh hervorhebt: „Die Süd-West-Schule ist eine der allerersten hier überhaupt, die sich auf den Weg gemacht hat, eine wirkliche Ganztagsschule zu werden. Als Stadt unterstützen wir diesen Ansatz, da er unseren Kindern und Familien sehr zum Vorteil gereicht. Daher wünschen wir der Schule und allen nachfolgenden Schülergenerationen weiterhin viel Erfolg!“

 

Foto: v.l.n.r.: Adnan Shaikh, Marion Steinhäuser, Smahil Waheed (10, geht in die Klasse 4c), Hajo Rother

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