Finanzkraft sichern, Projekte umsetzen

Haushaltsplan für 2027 aufgestellt

„Eschborn geht mit einer sehr starken finanziellen Grundlage in das kommende Haushaltsjahr. Zugleich zeigt der Entwurf, wie stark äußere Belastungen inzwischen auf unseren Haushalt einwirken. Die Umlagen steigen deutlich, gleichzeitig wollen und müssen wir die Projekte umsetzen, über die in dieser Stadt lange Zeit beraten und entschieden wurde.“ Mit diesen Worten eröffnete Bürgermeister Adnan Shaikh seine diesjährige Rede zum Entwurf des Haushaltsplans für das Jahr 2027 in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, dem 24. September 2026.
 

Der vorgelegte Entwurf enthält bereits eine pauschale Kürzung um zwei Prozent der zahlungswirksamen ordentlichen Aufwendungen. Sie folgt dem Hessischen Finanzplanungserlass in der aktuell gültigen Fassung vom 8. September 2026. Nach dieser Kürzung weist der Haushalt ein geplantes Jahresdefizit von rund 7,8 Millionen Euro aus. Dieser Fehlbetrag kann aus der Ergebnisrücklage ausgeglichen werden. Die Rücklage bleibt dabei auf einem sehr hohen Niveau. 
 

Basierend auf den Erfahrungen der vergangenen Jahre erwartet Shaikh einen deutlich besseren Jahresabschluss 2027 im Vergleich zum Planansatz. „Bessere Abschlüsse können jedoch auch entstehen, wenn Projekte später beginnen oder Mittel nicht wie vorgesehen abfließen. Deshalb gehört zu diesem Haushalt ein verbindlicheres Projektmanagement. Wir müssen frühzeitig erkennen, wo Zeitpläne nicht ausreichen, Entscheidungen fehlen oder personelle Kapazitäten nicht ausreichen, um entsprechende Maßnahmen treffen zu können.“


Eckdaten des Haushalts 2027 

Die Stadtverwaltung plant mit ordentlichen Erträgen von rund 375,9 Millionen Euro. Dem stehen ordentliche Aufwendungen von rund 389,4 Millionen Euro gegenüber. Unter Berücksichtigung des Finanzergebnisses ergibt sich das geplante Jahresdefizit von rund 7,8 Millionen Euro.

Gleichzeitig sieht der Haushalt Investitionsauszahlungen in Höhe von 78,2 Millionen Euro vor. Diese umfassen Vorhaben, die das Stadtbild, die kommunale Infrastruktur und die Leistungsfähigkeit der Stadtverwaltung über viele Jahre prägen werden.
 

Einnahmen – Steigende Erträge durch positive Entwicklung der Gewerbesteuer

Die ordentlichen Erträge steigen gegenüber dem Plan für 2026 um rund 44,6 Millionen Euro auf 375,9 Millionen Euro. Davon entfallen mit rund 347,8 Millionen Euro etwa 92,5 Prozent auf Steuern und steuerähnliche Erträge. 

Die Gewerbesteuereinnahmen werden im kommenden Jahr auf 300 Millionen Euro angesetzt und bilden damit die größte Einnahmequelle. Die Entwicklung der vergangenen Jahre ist positiv. 

Der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer bildet weiterhin die zweitgrößte Einnahmequelle, liegt mit rund 23,5 Millionen Euro allerdings leicht unter dem Planwert für 2026. Der Anteil an der Umsatzsteuer steigt dagegen auf rund 21 Millionen Euro. 

Die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt hängt somit insbesondere von der Gewerbesteuer ab. Deshalb muss die Verwaltung den Wirtschaftsstandort weiterentwickeln, bestehende Unternehmen verlässlich begleiten und die Gewerbegebiete zukunftsfähig halten. Dies sichert langfristig die Grundlage für die Leistungen und Investitionen der Stadt. Das Gewerbegebiet Eschborn-Süd soll aus diesem Grund mit einem Stadtentwicklungskonzept auch für die kommenden Entwicklungszyklen als Headquarter-Standort gesichert werden und Unternehmen langfristig gute Bedingungen für ihre weitere Entwicklung bieten. 
 

Der Eschborn-Vorteil

Worin der Eschborn-Vorteil für Familien konkret liegt, zeigt das Modell der fiktiven Familie Mustermann. Sie besteht aus zwei Erwachsenen, zwei Kindern und einem Hund, die im eigenen Einfamilienhaus leben. Ein Kind besucht den Kindergarten, das andere die Schule.

Für alle betrachteten Kommunen werden dieselben Annahmen verwendet: 688 Quadratmeter Grundstücksfläche, 150 Quadratmeter Wohnfläche, eine durchschnittliche Lage und einheitliche Verbrauchsmengen. In die jährliche Belastung fließen die Kita-Gebühr einschließlich Mittagessen, die Grundsteuer B, die Hundesteuer sowie die Gebühren für Abfall, Niederschlagswasser, Trinkwasser und Schmutzwasser ein.
 

Im Vergleich zu den ausgewählten Kommunen des Main-Taunus-Kreises weist Eschborn für diese Modellfamilie mit rund 2.280 Euro die geringste jährliche Belastung auf. In Sulzbach beträgt die Belastung bereits rund 3.427 Euro. Für Bad Soden ergibt sich ein Mittelwert von rund 4.500 Euro. Hofheim liegt bei rund 4.899 Euro und Schwalbach bei rund 5.376 Euro.

Insbesondere die niedrigere Belastung bei Kita-Gebühren und Grundsteuer fallen dabei ins Gewicht. Die Werte zeigen, dass die finanzielle Stärke Eschborns bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommt. 

„Die Stadt kann wichtige Leistungen finanzieren und hält die Belastung der Modellfamilie zugleich deutlich unterhalb der Vergleichswerte. Gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten ist das ein wichtiger Standortfaktor für Familien“, hält Bürgermeister Shaikh fest. Die tatsächliche Belastung eines Haushalts hängt aber selbstverständlich von den individuellen Faktoren bei der Wohnsituation, der Kinderbetreuung und dem Verbrauch ab.
 

Ausgaben – Umlagen belasten den Haushalt weiter

Die größte Belastung des Haushalts entsteht durch Steueraufwendungen und Umlagen, etwa 72 Prozent der ordentlichen Aufwendungen entfallen darauf. Für 2027 beträgt das Gesamtvolumen rund 286 Millionen Euro, darunter die Kreisumlage mit 101,7 Millionen Euro (2026: 82 Mio. Euro), die Solidaritätsumlage mit 76,6 Millionen Euro (2026: 57,9 Mio. Euro) und die Schulumlage mit 52,9 Millionen Euro (2026: 40 Mio. Euro). 


Zum Vergleich: Die fünf Hauptumlagen lagen im Jahr 2018 bei rund 145 Millionen Euro. Im Plan 2027 erreichen sie rund 283 Millionen Euro. Innerhalb von neun Jahren hat sich die Belastung damit nahezu verdoppelt.
 

Die Personalaufwendungen betragen 2027 rund 43,2 Millionen Euro (2026: 45,1 Mio. Euro). Der Ansatz für Sach- und Dienstleistungen liegt bei rund 30,9 Millionen Euro (2026: 35,7 Mio. Euro); in diesem Bereich ist technisch der pauschale Kürzungsbetrag von 7,74 Millionen Euro als negativer Ansatz verortet. 
 

Investition in Stadtentwicklung und Infrastruktur

Eschborn investiert weiterhin in seine Entwicklung und Infrastruktur. Der Haushalt 2027 sieht Investitionen von rund 78,2 Millionen Euro vor. Zu den größten Ansätzen gehören 15 Millionen Euro für die Erweiterung und den Umbau des Rathauses, 10,8 Millionen Euro für die Kapitalrücklage der GWE und 10 Millionen Euro für den Neubau der Stadthalle. Für die Planungsgesellschaft der Regionaltangente West sind rund 7,4 Millionen Euro vorgesehen. Weitere 7 Millionen Euro entfallen auf die Heinrich-Graf-Sportanlage. Hinzu kommen Mittel für den Anschluss an die A 66, die Tiefgarage am Rathausplatz, das 50-Meter-Becken und das Straßenbeleuchtungsnetz.
 

Die Ergebnisrücklage beträgt zu Beginn des Jahres 2027 rund 652,6 Millionen Euro. Zum Jahresende verbleiben voraussichtlich rund 644,8 Millionen Euro. Investitions- oder Liquiditätskredite plant die Stadt nicht, sie finanziert ihre Aufgaben weiterhin aus eigener Kraft.

„Die Rücklagen schmelzen durch diesen Haushalt nicht in einer Größenordnung ab, die unsere finanzielle Handlungsfähigkeit infrage stellt. Sie bleiben ein außerordentlich stabiles Fundament. Rücklage und Liquidität müssen jedoch getrennt betrachtet werden. Der Bestand an liquiden Mitteln sinkt nach der Planung von rund 239,3 Millionen Euro auf rund 163,1 Millionen Euro. Dieser Rückgang hängt vor allem mit den hohen Umlagen und dem umfangreichen Investitionsprogramm zusammen“, erklärte Bürgermeister Adnan Shaikh in seiner Rede. „Finanzielle Stärke entfaltet ihren Nutzen erst, wenn daraus funktionierende Infrastruktur und gute Leistungen für die Menschen in Eschborn entstehen.“
 

Der Haushalt soll in der Sitzung am 19. November 2026 beraten und beschlossen werden.