Der bekannte Maler Hanny Franke (1890–1973) wohnte in den letzten zehn Jahren seines Lebens in Eschborn. Er wollte sein Werk und seinen Nachlass stets in guten Händen sehen. Daher wurde 1988 ein Vertrag zwischen seiner Witwe Margarethe Franke (1901–1991) und der Stadt Eschborn geschlossen, in dem die Übergabe des Franke-Nachlasses geregelt wurde. Nachdem Margarethe Franke 1991 verstorben war, wurden alle Kunstwerke, aber auch der schriftliche Nachlass, im städtischen Museums- und Archivgebäude eingelagert.
Dieser Nachlass, der zu zwei Dritteln aus Schriftgut aus der Lebenszeit von Hanny Franke und zu einem Drittel aus Schriftstücken aus der Phase des „Hanny-Franke-Archivs“ von Margarethe Franke besteht, ist sehr umfangreich. Über drei laufende Meter Papier, darunter Briefe, Manuskripte, Notizen, Zeitungsartikel oder Listen von Kunstwerken lagen in den Regalen.
Stadtarchivar Dr. Peter Lingens, der sich seit seinem Amtsantritt im Oktober 2023 auch um das Werk und die Kunstsammlung von Hanny Franke intensiv kümmert, wollte diese wichtigen Dokumente zur Kunst und Geschichte schon länger nutzbar machen, also ordnen und erfassen. Dies geschah nun über den Sommer mit der Archivmitarbeiterin Dr. Anja Mielke und dem Praktikanten Francesco Pica, eigentlich Auszubildender im Stadtarchiv Bad Homburg. „Wir haben eine Woche lang nur sortiert“, erinnert sich Lingens. Danach ging es an die „Verzeichnung“, also die Auflistung der einzelnen Schriftstücke nach Inhalt und Datum. Außerdem wurden Signaturen vergeben, mit denen man die Archivalien nun leicht und ohne zu suchen aus dem Archiv holen kann.
Schon während der Arbeiten wurde die hohe Aussagekraft der Unterlagen erkennbar. Peter Lingens: „Hanny Franke lebte Jahrzehnte lang in Frankfurt und so betreffen viele Schriftstücke die Frankfurter Kunstszene oder dortige Ausstellungen. Die gute Vernetzung Frankes mit Künstlern und Politikern wird aus dem schriftlichen Nachlass klar deutlich.“
Bürgermeister Adnan Shaikh freut sich über den Abschluss des Projekts und ergänzt: „Da Hanny Franke leidenschaftlicher Heimatforscher war, finden sich in dem Nachlass auch wichtige Unterlagen zur Eschborner Ortsgeschichte, zum Beispiel zum Bonifatiuskreuz oder zur 1200-Jahrfeier Eschborns.“ Besonders begeistert den Rathauschef, dass hier ein weiterer Schritt in Richtung Digitalisierung gemacht wurde. Denn der Franke-Nachlass ist nun über die Archivdatenbank Arcinsys für die Allgemeinheit und Forschende im Internet recherchierbar.
