Rege Diskussion über gemeinschaftliches Wohnen

Am Mittwoch, dem 14. September 2022 kamen Seniorinnen und Senioren, die an der Eschborner Befragung zum gemeinschaftlichen Wohnen teilgenommen hatten, im Bürgerzentrum Niederhöchstadt zusammen.

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Adnan Shaikh und Seniorendezernent Helmut Bauch wurden zuerst die Ergebnisse der Befragung vorgestellt. Altenhilfeplanerin Susanne Däbritz hatte den Fragebogen entwickelt und die Ergebnisse ausgewertet. Von den 4.283 Fragebögen, die an Personen ab 65 Jahre verschickt wurden, waren 256 Bögen ausgefüllt zurückgeschickt worden.

 

Die große Mehrheit, nämlich 213 Personen, würde gerne generationsübergreifend wohnen, 34 Personen würden ihr Wohnprojekt nur mit Älteren gestalten wollen.

 

154 Personen sprechen sich bei der Gestaltung eines gemeinschaftlichen Wohnprojektes für eine Mischung von Eigentums- und Mietwohnungen aus, 68 Personen wollen nur Mietwohnungen und 33 der Teilnehmenden bevorzugen ausschließlich Eigentumswohnungen.

 

Bei der Frage, wie viel Zeit die potentiellen Nutzerinnen und Nutzer bereit wären, in ein gemeinschaftliches Wohnprojekt zu investieren, gaben 47 Personen an, dass sie mindestens eine Stunde, 123 Personen zwei bis drei Stunden und 45 Teilnehmende sogar vier und mehr Stunden in der Woche aufwenden würden.

 

Mehrfachnennungen waren möglich bei der Frage, welche Form des Engagements die Befragten ausüben würden. 214 Personen wären bereit, sich im Bereich Geselligkeit, z. B. bei offenen Frühstücken für die Nachbarschaft oder bei Kaffeenachmittagen zu engagieren, 179 können sich soziale Angebote wie Hausaufgaben- oder Flüchtlingshilfe vorstellen und 176 Personen sehen ihr Engagement im kulturellen Bereich, wie bei der Organisation von Hausmusikabenden oder von Kleinkunst-Veranstaltungen.

 

Im Rahmen der Veranstaltung stellte die Projektleiterin der Landesberatungsstelle Gemeinschaftliches Wohnen, Afra Höck, Möglichkeiten zur Ausgestaltung verschiedener Wohnprojekte und die damit verbundenen Zeitabläufe vor.

 

Die Anwesenden wurden immer wieder angeregt, in Kleingruppen ihre Vorstellungen zu einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt zu diskutieren und kurz den anderen zu berichten. Auch wenn den meisten Beteiligten die von Afra Höck genannten Zeiträume von rund fünf Jahren für die Realisierung viel zu lang erscheinen, gibt es in Hessen inzwischen funktionierende Projekte. Bei kleineren Gruppen, die in ein Bestandsgebäude ziehen, ist der Einzug teilweise bereits nach etwa einem Jahr möglich.

 

Die Initiative eines gemeinschaftlichen Wohnprojekts geht von aktiven Personen aus, die sich treffen und darüber einig werden, wie viel Rückzugs- und Gemeinschaftsraum sie wollen und brauchen, welches Leitbild das Projekt bekommen soll oder ob das Wohnprojekt auch eine Antwort auf den demografischen Wandel und die Frage der verlässlichen Pflege und Betreuung sein kann. Interessant an der Stelle war, dass aus der Gruppe der Aktiven oft nicht die Seniorinnen und Senioren aussteigen, sondern die jungen Familien, die spätestens, wenn das zweite Kind unterwegs ist, nicht noch zwei oder drei Jahre mit dem Umzug warten können.

Erst wenn die Projektgruppe ein Konzept entwickelt hat, kämen die Kommunen ins Spiel, erläuterte Höck.

 

Eine kleine Gruppe von Interessierten hat sich am Tag der Präsentation schon zusammengefunden und will sich auch zukünftig regelmäßig treffen. Es bleibt abzuwarten, ob das Thema in der Eschborner Zivilgesellschaft weiter aufgegriffen wird.

 

Bei Fragen zu der Rechtsform – meist einer Genossenschaft oder Eigentümergemeinschaft – bietet die Landesberatungsstelle mit Seminaren und Informationsbörsen (beispielsweise am
24. September in Frankfurt) Unterstützung an.

 

Die Präsentation von Frau Höck kann [hier] nachgelesen werden, die Ergebnisse der Befragung [hier]. Darüber hinaus konnten die Anwesenden Informationsmaterial der Landesberatungsstelle und Fair-Trade-Schokolade, die Erste Stadträtin Bärbel Grade mitgebracht hatte, mitnehmen.

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