Überzeugendes Modell für den Neubau von Stadthalle und Bücherei sowie Sanierung und Erweiterung des Rathauses

Einstimmiges Jury-Votum für den Entwurf des Augsburger Büros löhle neubauer architekten.

Unter einer Plexiglashaube gut geschützt, aber von allen Seiten gut zu erkennen - denn um Transparenz geht es allen Beteiligten - liegt der Entwurf, der aus dem Architektenwettbewerb für den Neubau von Stadthalle und Bücherei sowie die Sanierung und Erweiterung des Rathauses als Sieger hervorgegangen ist.

Bei der Präsentation des Modells und der detaillierten Pläne betont Bürgermeister Adnan Shaikh die Dimension des Projekts, „das eine unglaubliche Strahlkraft für alle Bürgerinnen und Bürger haben wird“. Der Jury und ihm waren sowohl die hohe Funktionalität als auch die wohlproportionierte Darstellung wichtig: "Uns haben neben den beiden Freiräumen, die mit dem Rathausplatz und dem Vorplatz zur Stadthalle geschaffen werden, auch die Angebote hinsichtlich der Energieeffizienz überzeugt. Und nicht zuletzt die sehr zurückhaltende Anmutung mit den drei verschiedenen Baukörpern und der behutsame Umgang mit dem Bestand waren Gründe, warum wir uns einstimmig für diesen Entwurf entschieden haben."

 

Vor genau einem Jahr wurde der Wettbewerb EU-weit bekannt gemacht, und 177 Architekturbüros hatten sich zur Teilnahme beworben. Nach fachlicher Prüfung wurden 30 Büros per Los ermittelt. Im Januar 2021 fand mit den Preisrichtern, Sachverständigen und Vorprüfern ein Kolloquium statt, um Fragen der Teilnehmenden zu beantworten. Bei der Jurysitzung zur 1. Phase des Wettbewerbs im Mai wurden die zehn Wettbewerbsteilnehmer für die 2. Phase ausgesucht. Am 27. Oktober schließlich legte die Jury - fünf Fachpreisrichter (Universitäts-Dozenten und Architekten) sowie vier Sachpreisrichter (Mitglieder des Magistrates und der Stadtverordnetenversammlung sowie Mitarbeitende der Stadtverwaltung Eschborn) - unter Vorsitz des Architekten Prof. Zvonko Turkali aus Frankfurt die Preisträger fest.

 

"Bei den letzten zehn Beiträgen gab es einige großformatige Entwürfe, die alle Funktionen in einem Gebäude vereinigten. Dann gab es eine zweite Gruppe, die die Stadthalle isoliert, aber Rathaus und Bibliothek in einem Gebäude konzipiert hatte. Nur zwei Beiträge bildeten ein Ensemble aus drei einzelnen Baukörpern", beschreibt Turkali. "Sehr schnell zeigte sich, dass ein einziges großes Haus für diesen Standort überdimensioniert gewesen wäre. Daher waren wir froh über die Entwürfe, die das komplett isoliert gesehen haben, dem Rathausplatz eine gute Größe und Proportion belassen und sogar das Gebäude, in dem REWE beheimatet ist, mit einbeziehen."

 

Das Jury-Votum war schließlich eindeutig, und so ging der unumstrittene erste Platz an das Augsburger Büro löhle neubauer architekten BDA pmbb. Dieser Gewinnerentwurf zeige "trotz relativ geringer Eingriffe in den Gebäudebestand eine großzügige, überzeugend gestaltete und äußerst funktionale Lösung. Dies ermöglicht den Bürgerinnen und Bürgern eine optimale Orientierung und schafft einen hochattraktiven Stadtraum im Zentrum Eschborns mit einer großen Zukunftsfähigkeit." Vorgesehen ist, dass statt des bestehenden massiven Bauwerks künftig drei Gebäude - die Stadthalle, die Bücherei und das Rathaus - den Rathausplatz eingrenzen.

 

"Wenn wir an eine solche Aufgabe rangehen, dann interessiert uns vor allem der Städtebau, um ein funktionierendes Konzept zu entwickeln, das auf den vorhandenen Kontext reagiert und eine anspruchsvolle Platzsituation schafft", erklären Rainer Löhle und Martin Obst ihren Siegerentwurf. "So war uns schnell klar, dass die Stadthalle an diesem Ort nur zweigeschossig sein darf. Dafür haben wir den Saal mit 600 Sitzplätzen im Erdgeschoss eingeplant, und die Technik wanderte ins Untergeschoss. So ist die Halle im Vergleich zu den gegenüberliegenden Gebäuden ‚Am Stadtpfad‘ genauso hoch. Die transparenten Zonen und der offene Foyerbereich kennzeichnen die einladende und bürgerfreundliche Atmosphäre."

 

Außerdem galt es, Wegebeziehungen und Sichtachsen zu berücksichtigen. So bekommt das bestehende dreigeschossige Rathaus, das saniert wird, einen leicht zurückgesetzten, fünfgeschossigen Neubau an seine Seite platziert. "Dadurch ist es gelungen, auf dem beengten Raum die Stadthalle sehr gut erlebbar zu machen. Gleichzeitig erfährt das Rathaus durch seine Höhenentwicklung seine Präsenz am Ort und zieht die Besucherinnen und Besucher in die Tiefe des Raums“, so Löhle. Künftig wird das Rathaus auch alle ausgelagerten Bereiche der Verwaltung beherbergen: Neben der Finanzabteilung, den zentralen Diensten, dem Personalwesen und der Kulturabteilung betrifft das die Stadtpolizei.

 

„Die zweigeschossige Bibliothek wiederum gibt dem Rathausplatz einen Rücken, ist aber trotzdem von der Straße aus erlebbar, da das Erdgeschoss transparent und barrierefrei gestaltet wird und für Veranstaltungen genutzt werden kann“, erläutert Löhle. Auch der darunter verlaufende Westerbach soll erkennbar werden. Der Brunnen bleibt dem Platz ebenfalls erhalten, und nicht zuletzt das Café des schon bestehenden Gebäudes ist wichtiger Teil des Gesamtensembles. Die Tiefgarage wird erweitert und erhält eine neue Ausfahrt, die unter der Stadthalle liegt. „Uns ist es gelungen, durch die Situierung und Höhenstaffelung der einzelnen Gebäude einen gefassten und sehr gut strukturierten Stadtraum zu schaffen, der differenzierte Bereiche aufweist, vielfältig ‚bespielt‘ werden kann und eine hohe Akzeptanz aufzeigen wird“, äußert sich Löhle nicht ohne Stolz. „Darüber hinaus haben wir den vorgefunden roten Klinker auch für die Neubauten vorgeschlagen und so die Gebäude zu einem stimmigen und identitätsstiftenden Ensemble zusammengeführt. Damit gelingt es uns, einen Stadtplatz mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen. Dies ist enorm wichtig für das Leben in der Stadt sowie für die Attraktivität des Ortes."

 

"Besonders freut mich auch die Verwendung von Ziegeln als Material für die neuen Fassaden", betont Shaikh. Damit beinhalte der Entwurf ein Element der Kontinuität, das seitens der Bürgerschaft immer wieder erwähnt worden sei. Überhaupt baue der Entwurf auf den Ergebnissen der intensiven Bürgerbeteiligung auf, die bereits im Nachgang zum Bürgerentscheid zum Erhalt des Rathauses im Jahr 2012 erhoben wurden. Dies bilde auch die Grundlage für das Raumprogramm. Zu den voraussichtlichen Kosten und einem realistischen Zeitrahmen will der Bürgermeister aktuell aber noch keine Aussage treffen: "Alles, was ich jetzt sagen würde, wäre nicht seriös."

 

Den zweiten und dritten Platz belegten die Büros karlundp Gesellschaft von Architekten, München, sowie Gerber Architekten GmbH, Dortmund. Anerkennungen für die eingereichten Arbeiten erhalten die Entwürfe das Büros Struhk Architekten BDA, Braunschweig, und das Büro röcker gork architekten, Stuttgart. Anerkannt werden hierbei einerseits "der Umgang mit der Bausubstanz und die Verwendung der robusten, nachhaltigen Materialien Ziegel und Holz" sowie andererseits "eine vielversprechende Darstellung von Begrünung und Artenschutz am Gebäude in Verbindung mit der Nutzung regenerativer Energien."

Bürgermeister Adnan Shaikh bedankte sich bei allen Büros für die abgegebenen Arbeiten: "Wir haben hervorragende Entwürfe erhalten, und ich freue mich, dass wir nun bei dem dringend notwendigen Neubau von Stadthalle und der  Sanierung des Rathauses entscheidend vorankommen."

 

Alle zehn eingereichten Entwürfe können bis zum 29. November 2021 im kleinen Sitzungssaal des Eschborner Rathauses besichtigt werden: Mo bis Fr von 8 bis 12 Uhr und mittwochs zusätzlich von 15 bis 18 Uhr. Auch besteht die Möglichkeit, an Führungen (unter 3-G-Regeln) teilzunehmen, zu denen eine Anmeldung an bauen(at)eschborn.de erforderlich ist. Die Führungen finden am

 

Dienstag, dem 16. November 2021, um 18.30 Uhr

Mittwoch, dem 17. November 2021, um 18.30 Uhr

Donnerstag, dem 18. November 2021, um 18:30 Uhr

Freitag, dem 19. November 2021, um 18:30 Uhr

Dienstag, 23. November 2021, um 18.30 Uhr

Donnerstag, 25. November 2021, um 18.30 Uhr

statt.

 

Zudem gibt es unter www.eschborn.de/projektrathausstadthalle die Gelegenheit, den Siegerentwurf und die weiteren Entwürfe genauer zu betrachten.

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