Von der Schenkung zu den Stadtrechten – Ausstellung zur 1250-jährigen Geschichte Eschborns

Mit einem Jahr Verspätung kann nun zumindest ein bisschen gefeiert werden. Aber was ist schon ein Jahr, wenn man auf mittlerweile 1251 Jahre Stadtgeschichte zurückblicken kann. Im Museum wurde nun anlässlich des bedeutenden Jubiläums eine Ausstellung eröffnet, die mit Fotos, Dokumenten und Texten einen Überblick gibt - von den archäologischen Anfängen in Eschborner Gemarkung, über das Mittelalter und die Ritter von Eschborn mit ihrer Burg bis hin zur jüngeren Zeit.

Heute wird die Stadt, in der rund 21.000 Menschen leben, dank der fünf prosperierenden Gewerbegebiete vor allem als moderne Bürostadt wahrgenommen. "Eschborn hat eine beispielhafte Entwicklung durchgemacht, von einer kleinen, bäuerlich geprägten Siedlung am Westerbach zu einer Handelsmetropole im Rhein-Main-Gebiet, die ihresgleichen sucht", stellt Bürgermeister Adnan Shaikh bei seiner Begrüßungsrede fest. "Darauf können wir alle stolz sein."

 

Das alles war im Jahre 770 sicherlich nicht zu ahnen. Damals schenkten die streng katholischen Brüder Risolf und Hadalmar dem Kloster Lorsch üppige Ländereien in Eschborn, einen Weinberg und 43 Leibeigene. Als Gegenleistung sollten die Mönche für das Seelenheil der Brüder und ihrer Nachkommen beten. Daraus folgte am 12. Juni 770 die erste urkundliche Erwähnung von "Aschenbrunne" im sogenannten "Lorscher Codex". Diese Sammlung von Schenkungsurkunden wird im Staatsarchiv Würzburg aufbewahrt; im Eschborner Museum ist ein Faksimile-Band zu sehen.

 

Auch die Funde aus den alamannischen Gräbern des 4./5. Jahrhundert n.Chr. und die Ritter von Eschborn sowie ihre Turmburg finden in der Ausstellung natürlich Erwähnung. Die Geschichte der Ziegeleien und der Alten Mühle am Westerbach wird ebenso thematisiert wie der Eisenbahnanschluss 1874 oder die evangelische Kirche am Eschenplatz. Bekannt aus der Eschborner Geschichte ist beispielsweise auch der ausgeprägte Milchhandel mit den umliegenden Gemeinden, die internationale Bedeutung der Firma Schiele und die Anfänge des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) in einer Baracke nahe dem Bahnhof. Eher dunkle Kapitel verbinden sich mit den beiden Weltkriegen, der französischen Besatzungszeit zwischen 1918 und 1930, den Fremdarbeitern sowie dem ehemaligen Flugplatz, der in den Nachkriegsjahren kurzzeitig sogar ein „Weltflughafen“ war. 1970 schließlich wurde Eschborn die Stadtrechte verliehen. Der Zusammenschluss Eschborns mit Niederhöchstadt vor 50 Jahren kommt bewusst nicht vor, da dieser noch in diesem Jahr separat in einer besonderen Ausstellung thematisiert wird.

 

Ein paar Monate habe er an dieser Zusammenstellung der Texte und Bilder gesessen, berichtet Archivar und Museumsleiter Gerhard Raiss, "und zu bestimmten Themen hatte ich bereits gewisse Vorstellungen im Kopf. Wenn man sich mit Geschichte beschäftigt, sammelt man ja ein Leben lang, aber manche Aspekte musste ich noch aufarbeiten."

Diese Detailarbeit würdigte auch Bürgermeister Shaikh: "Heute dokumentieren wir mit unseren Smartphones rund um die Uhr unser alltägliches Leben, stellen es ins Internet und halten es auf diese Weise für uns und die Nachwelt fest. So entsteht eine dichte Überlieferung, auf die spätere Generationen leicht zurückgreifen können. Diese Möglichkeiten hatten unsere Vorfahren nicht."

 

Die Jubiläumsausstellung ist noch bis zum 3. Oktober im Museum zu sehen, aktuell dürfen nur maximal zehn Personen gleichzeitig kommen - mit Mund-Nasen-Maske und Hinterlegung der Adresse.

Öffnungszeiten: Mittwoch und Samstag 15-18 Uhr, Sonntag 14-18 Uhr und nach vorheriger Anmeldung (06196/490-232 oder museum(at)eschborn.de). Ebenso nach vorheriger telefonischer Anmeldung bietet Gerhard Raiss auch kostenlose Führungen an.

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