"Wie vom Universum geküsst" - Ottmar Schnee erhält den Ehrenbrief des Landes Hessen

Langjähriges Vorstandsmitglied des Volksbildungswerks für sein fast 50-jähriges ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet.

Eine Feierstunde im Museum war es allemal wert, um - im Namen des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier - den Ehrenbrief des Landes Hessen zu überreichen: Für sein über 40-jähriges, genauer gesagt fast 50-jähriges ehrenamtliches Engagement im Volksbildungswerk und „Eschborn K“ wurde Ottmar Schnee geehrt. „Ein besonderer Anlass und ein besonderer Mensch“, so Bürgermeister Adnan Shaikh in seinem Grußwort, „denn er ist der spirituelle Vater von vielen Projekten, Designs und kulturellen Angeboten, die wir in Eschborn heute als ganz selbstverständlich hinnehmen.“ Der 69-Jährige sei bekannt als der Schöpfer des modernen Eschborner Logos und der „Corporate Identity“ der Stadt Eschborn. Auch an der Gestaltung des Stadtmuseums habe er wesentlich mitgewirkt. Nicht zuletzt erstellte er regelmäßige Fotodokumentationen, ob über die Stadt und ihre Menschen oder über die Partnergemeinden.

 

Heute zwar in Steinbach wohnhaft, weshalb auch Stefen Bonk als Bürgermeister der Nachbarstadt der Ehrung beiwohnte und ein Grußwort gesprochen hat, aber in Eschborn aufgewachsen, studierte Ottmar Schnee an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und schloss das Studium als Diplom Designer Visuelle Kommunikation ab. Neben der Gestaltung von Ausstellungen für diverse Museen oder Fotokalendern widmete er sich auch experimentellen Kurzfilmen, die bei Filmfestivals aufgeführt wurden. Dass sein Herz schon früh für das Medium Film schlug, zahlte sich auch für das Volksbildungswerk Eschborn aus, für das er sich bereits 1972 engagierte. Damals wurde die Grundlage für das heutige „Eschborn K“, das zweitälteste kommunale Kino Hessens, gelegt. Bis 2019 war Schnee nicht nur für die Programmauswahl, sondern auch für die Gestaltung der Filmplakate zuständig. „Mit einem stets zeitgemäßen Stil hat er für eine eigene Handschrift unseres Kinos gesorgt und ein umfassendes und einzigartiges Konvolut an Kinoplakaten erarbeitet“, lobt Shaikh. „Nicht zuletzt hat er seine Sammlung der Filmgeräte der Anfangszeit des Kinos dem Eschborn K gestiftet.“ 1994 erhielt das Eschborn K gemeinsam mit dem Volksbildungswerk eigene Räumlichkeiten, zuvor wurden die Filme in der Stadthalle gezeigt.

 

Von 1975 bis 2019 war Ottmar Schnee im Vorstand des Volksbildungswerk Eschborn e.V. Mit der „Galerie K“ wurde eine der ersten und kontinuierlichen kommunalen Galerien im Umkreis eingerichtet, außerdem entstanden diverse Reihen: DiaAbend, KinoPlus, KinoKonzert, KinoChor, KinoLesung sowie NeuesSehenHören und internationale Medienkunst. „Unser Grundgedanke dabei war immer, Freiräume für Menschen bereitzustellen, die künstlerisch tätig sind“, betont Schnee. „Diese Freiräume ermöglichten auch unsere Publikationen und Plakate zu den Filmen, die anfangs in einer eigens entwickelten Spray-Schablonen-Technik entstanden und sich in Sammlungen von Museen in Deutschland und der Schweiz befinden.“

 

Auch an der Umsetzung der Skulpturenachse Westerbach hat der Designer großen Anteil. „Sie geht auf eine Idee der Konzeptionstreffen in den frühen 70er Jahren zurück. 1989 konstituierte sich der Förderkreis Skulpturenachse Eschborn, und 1992 wurde die erste Skulptur vor Ort erstellt“, erinnert sich Schnee. Heute ist sie für ihn – neben dem „Museum!Digital“ und der „GeschichtsWerkstatt“ – eine der Säulen des Projekts „Museum für Zeitgeschichte“. „Dabei wollen wir untersuchen, ob es eine Beeinflussung des Kulturprogramms einer Kleinstadt wie Eschborn durch das Geschehen in Hessen, Deutschland, Europa und der Welt gibt.“

 

Für seine umfangreichen Verdienste im Bereich der Kultur und der Gestaltung ist nicht zuletzt Bürgermeister Shaikh dankbar: „Ottmar Schnee ist ein Meister der künstlerischen und kulturellen Sinnesbegeisterung, dem der breite öffentliche und demokratische Zugang zur Kultur ein wichtiges Anliegen ist. Dieses Engagement ist ein leuchtendes Beispiel für eine aktive Bürgergesellschaft. Ohne Menschen wie Ottmar Schnee oder dem jüngst ebenfalls mit dem Landesehrenbrief ausgezeichneten Dr. Manfred Reichert wäre unser Leben in Eschborn deutlich weniger abwechslungsreich und lebenswert.“

 

Der so Gelobte blickt gerne zurück: „Die Stadt hat mir den Freiraum gegeben, gewisse Dinge zu machen, und die habe ich gemacht. Mein Gefühl im ‚Eschborn K‘ war immer, wie vom Universum geküsst zu sein. In Eschborn, einer Stadt, in der Kultur Visionen hat.“

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