"Schiefer Wald" von Heike Mutter und Ulrich Genth

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Der „Schiefe Wald“ von Heike Mutter und Ulrich Genth erinnert seit 2014 am „Streitplacken“ zwischen Eschborn und Steinbach an die „Historische Schlacht bei Eschborn“ von 1389. In einem Wettbewerb überzeugt der Entwurf die elfköpfige Jury aus Politik, Kultur und Regionalpark RheinMain GmbH. Zu sehen sind 26 Bäume aus vier heimischen Baumsorten, Esskastanie, Vogelkirsche, Feldahorn und Hainbuche, die von verschieden geformten Stützen aus weiß lackiertem Stahl in Schieflage gehalten werden. Gemeinschaftlich setzen die Stadt Eschborn und die Regionalpark RheinMain GmbH das Kunstprojekt konzeptionell und finanziell um.

Im damaligen Waffenstreit zwischen Kronberger Rittern und Bürgern der Stadt Frankfurt um Selbstbestimmungsrecht und Handelsfreiheit gingen die kampferprobten Kronberger als Sieger hervor, obwohl die Städter ihnen zahlenmäßig überlegen waren. Das Eschborner Museum zeigt noch heute Ausstellungsobjekte zu dieser „Schlacht bei Eschborn“.
Der „Schiefe Wald“ überträgt den Konflikt in ein gepflanztes Bild und setzt gezielt Momente der Irritation ein, um die Komplexität des Themas greifbar zu machen. Die Künstler transformieren den Begriff des Denkmals auf ein lebendiges Kunstwerk und schaffen zugleich einen sinnlich erfahrbaren Ort, der sich in die landwirtschaftlich geprägte Kulturlandschaft einfügt.

Heike Mutter, geboren 1969 in München, und Ulrich Genth, geboren 1971 in Tübingen, leben und arbeiten in Hamburg und Duisburg. Mit ihren prämierten Werken gehören sie zu den Nachwuchstalenten für Kunst im öffentlichen Raum. In ihren Projekten stellen sie das Potenzial eines Ortes, einer Landschaft oder einer Situation in den Mittelpunkt. Absurd-tragische Verfremdungen in ihren Arbeiten bringen neue Sichtweisen und Dialoge in den vertrauten Alltag ein.

Die Bäume scheinen durch ihre Schieflage wie von einem Ereignis niedergedrückt. Die Achse in der Mitte der rasterförmigen Pflanzung gibt den Blick frei auf die Frankfurter Skyline auf der einen und die Kronberger Burg auf der anderen Seite. In ihrer Deformation fungieren die Bäume als Gedächtnis von Schmerz, Streit und verwundeter Geschichte. Der Prozess des Wachsens und Befreiens erzählt zugleich von Überwindung und Veränderung.