"Versatzstück" von Timm Ulrichs

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„Versatzstück“ von Timm Ulrichs befindet sich seit 2009 auf der Freifläche am Rande des Camp-Phönix Parks Eschborn. Das „Versatzstück“ spielt mit unserer Wahrnehmung: Eine Pappel wächst aus einem 2,50 m hohen klassischen Blumentopf aus Terrakotta. Ulrichs setzt etwas Bekanntes in einen neuen Zusammenhang, um zu irritieren. Für den Betrachter nicht sichtbar besteht dieser Topf aus sechs Einzelteilen aus Beton, ist innen hohl und von oben mit einem Metallgitter geschützt.

Timm Ulrichs, geboren 1940 in Berlin, gilt als einer der wichtigsten deutschen Konzept- und Aktionskünstler. Seine Arbeit umfasst verschiedene Disziplinen, wie Naturwissenschaft, Philosophie oder Soziologie und dient dazu, das menschliche Dasein zu ergründen. In der Tradition von Dadaismus und Surrealismus geht er stets der Frage nach, was eigentlich ein Kunstwerk ist. Seine Kunstüberzeugung liegt in der Originalität des Gedankens und der Verschmelzung von Mensch und Kunst. In seinen Werken hat er zahllose absurde Monumente geschaffen, die mit Verhaltensmustern und Bildern spielen. Kunst ist für ihn Philosophie mit bildnerischen Mitteln.

Die Idee des Versatzstückes formulierte er erstmals 1969, als er bewegliche Bäume in Attrappen-Konstruktionen mit Rädern und Deichseln ausstellte. Den „Baum im Topf“ entwarf Ulrichs als unverrückbare Freiplastik 1994 für den Französischen Garten in Celle.

Wortspielen und Metaphern inspirieren Ulrichs: Das Wortwörtlichnehmen von Alltagsbegriffen hat er zu einer seiner Methoden erklärt. Der Baum ist für uns ein vertrautes Symbol für Natur, Wachstum, Verwurzelung und Alter. Der Baum im Blumentopf widerspricht unseren traditionellen Vorstellungen und Sehgewohnheiten. Er repräsentiert für Ulrichs das Spannungsverhältnis von Natur zu Kultur. Das Gefäß macht ihn angeblich zu einem veränderbaren Ausstattungsgegenstand in unserer Landschaft und erspart ihm dadurch die Notwendigkeit des Fällens.

Timm Ulrichs lebt seine Überzeugung „Kunst ist Leben und Leben ist Kunst“. Beides ist nicht voneinander zu trennen, sondern als Experiment zu begreifen. Es bleibt dem Betrachter  überlassen, den Denkanstoß zum Kunstbegriff von Timm Ulrichs zu hinterfragen.