"Fulcrum" von John Henry

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„Fulcrum“ des amerikanischen Bildhauers John Henry befindet sich auf einem Verkehrskreisel an der Frankfurter Straße im Gewerbegebiet Süd. Im Jahr 2002 kommt das Werk zunächst als Leihgabe nach Eschborn und überzeugt mit seiner monumentalen Wirkung: Die Stadt erwirbt das Kunstwerk im Jahr 2004. Mit einer Höhe von 15 Metern und fast gleicher Ausdehnung in der Breite ist FULCRUM die derzeit größte Plastik in Eschborn. Dynamisch und kraftvoll streben sechs gelbe Stahlstäbe unterschiedlicher Breite und Länge hoch in den Himmel. Die massiven Einzelteile wirken zuerst wie zufällig aneinander gelehnt, doch sind Größe und Balance ausgewogen. Spannungsreiche Innenräume entstehen in den sich überschneidenden Einzelelementen. Die Funktion des Ortes spiegelt sich im Name wider: fulcrum ist im Englischen ein Dreh- und Angelpunkt.
Der 1943 in den USA geborene John Henry entwickelt bereits in den frühen sechziger Jahren abstrakte, großformatige Plastiken. Seine bevorzugten Materialien sind Stahl und Aluminium. Er orientiert sich am Konstruktivismus, dessen Kunstwerke ausschließlich abstrakt sind und auf geometrischen Formen aufbauen. Die Farbflächen sind reduziert auf die drei Primärfarben Rot, Gelb und Blau sowie die Nichtfarben Schwarz, Grau und Weiß. Sie basieren zum Teil auf mathematisch fundierten Berechnungen und Konstruktionen.
Während seiner Aufenthalte in Europa entwickelt Henry seine ihm eigene Formensprache weiter. Er lässt sich von italienischen Kathedralen inspirieren und verschweißt gerade Stahlträger zu vertikalen Trapezformen. Die linearen Elemente des FULCRUM strahlen Leichtigkeit aus, unabhängig von ihrem tatsächlichen Gewicht. Die Plastik erscheint mal breit und ausladend, mal grazil und zierlich. Der Betrachter ist aufgefordert, das Kunstwerk zu umrunden. Mit jeder sich verändernden Position ergeben sich neue Eindrücke.
Die Farbigkeit der Oberfläche ist Teil der Inszenierung. Gelb ist eine Signalfarbe mit Warnwirkung. Gelb löst den Blick von der Fläche, an der es erscheint und lenkt ihn in seine Umgebung.
Formensprache, Material- und Farbwahl lassen erkennen, warum diese in sich ruhende, unbewegliche Plastik gleichzeitig kraftvoll und schwerelos erscheint. Farbe, Standort, Lichteinfall und städtebaulicher Kontext verbinden sich hier zu einem Gesamtkunstwerk.